Lucy meets New York – Episode 7 đź’‹

Er kommt aus Brian’s Zimmer, während ich gerade meine ZimmertĂĽr öffne. Er sieht anders aus. Muss wohl der schwarze Anzug sein, in dem ich ihn noch nie gesehen habe. Ich mustere ihn. Was er wohl vor hat? Der Anzug sitzt perfekt und steht ihm leider ziemlich gut. Er sieht mich und mustert mich, wie ich ihn. Ob er sich wohl gerade die gleiche Frage stellt wie ich? Egal. Ich gehe an ihm vorbei und laufe die Treppen runter. „Hast du kurz Zeit?“ Nein, das wäre nicht meine Frage gewesen.

„Kommt drauf an wofĂĽr, ich will in die Stadt.“ antworte ich, während ich meine Jacke anziehe und die HaustĂĽr öffne. Was will er? Er wird doch hoffentlich nicht wegen Tom nachfragen. Was wohl aus der Blondine geworden ist? Ich hab sie seitdem nicht mehr zusammen in der Bar gesehen. Was hat er gesagt? Fuck, ich sollte ihm jetzt zuhören. „Hmm?“ frage ich nach, während ich schon auf der Veranda bin.

„Deine Mum hat mir erzählt, dass du dich fĂĽr die Uni in New York entschieden hast?“ wiederholt er. „NatĂĽrlich hat sie das. Und weiter?“ gebe ich leicht gereizt zurĂĽck. Mein Körper geht direkt in Alarmbereitschaft. Ich ahne schon was jetzt kommt und hab keinen Bock darauf. Hätte er doch einfach nach Tom gefragt. Dieses Gespräch ist mit Sicherheit auf Mum’s Mist gewachsen. Ich unterbreche ihn, bevor er weiterredet. „Nur zu deiner Information, du kannst dir deinen Text sparen: Nein, obwohl ich eine Zusage habe, werde ich definitiv nicht hier studieren, mein Flug ist gebucht, ich hab alles geregelt, es gibt nichts mehr daran zu rĂĽtteln“.

Souverän gesprochen Lucy, lobe ich mich selbst und setze bereits zum gehen an. Da spĂĽre ich eine Hand auf meinem Arm, die mich festhält. Ăśberrascht drehe ich mich zu ihm um. „Du hast keine Ahnung. Die werden dich dort nicht in Ruhe lassen. New York ist gefährlich, Lucy, vor allem fĂĽr dich“. Seine Augen wirken dunkler als sonst, während er mich ansieht. Wie er meinen Namen ausspricht, lässt mich kurz schlucken, dann reisse ich wĂĽtend meinen Arm aus seiner Hand. „Wovon redest du bitte, was meinst du mit vor allem fĂĽr mich? Und wer sind die? Ich kenne dort niemanden“. Dieser Schwachsinn hört sich definitiv nach Mum an. Die erwarten doch jetzt nicht ernsthaft, dass ich wegen Matts kleiner Ansprache alles hinschmeisse?

“Ganz genau, du bist dort alleine, du bist hĂĽbsch, du bist jung und dort auf Hilfe angewiesen. Jeder New Yorker sieht dir das auf 10 Kilometer an.“ Ich verdrehe die Augen. „Das ist lächerlich Matt, warum lässt du dir so einen Mist von Mum einreden? Ich bin doch nicht bescheuert. Ich kann schon auf mich aufpassen, auch wenn keiner von euch das glaubt. Also dann, ich muss los.” Dieses unangenehme Gespräch muss jetzt beendet werden. “Ich kann dir helfen” sagt er, als hätte er meine Worte gar nicht gehört und ich schnaube. “Wobei? Ein andere Stadt auszusuchen? Nein danke” Ich gehe einfach los, vielleicht versteht er es dann.

“Deine Sturheit wird dir dort schnell vergehen.” Seine Stimme klingt wĂĽtend und noch immer ziemlich nahe. Der Typ macht mich so sauer, ich kann nicht anders und drehe mich ein letztes Mal um. „Tja dann ist es ja umso besser, dass du davon nie etwas erfahren wirst.” fauche ich und mach mich endlich auf den Weg.

Ich bete, dass er mir nicht weiter hinterher kommt. Obwohl ich es mir nicht hab anmerken lassen, bin ich den Tränen nahe. An der nächsten Straßenecke bleibe ich stehen, lehne mich gegen die kühle Mauer und atme erstmal tief durch. Mein Herz rast. Was war das denn bitte? Warum traut mir eigentlich niemand irgendetwas zu? Ich hasse es. Das geht schon seit Jahren so und fuckt mich dermassen ab.

Weil meine Familie nicht weiterkommt, schicken sie den ach so tollen Matt, um mir Angst zu machen?New York ist also gefährlich? Woher will er das wissen? Hätte mir zu denken geben müssen, dass Mum New York in den letzten Tagen mit keinem Wort mehr erwähnt hat, was ziemlich untypisch für sie ist. Normalerweise lässt sie nicht locker, bis sie ihren Willen durchsetzt. Egal wie. Ausser Dad, der sich generell aus allem raushält, oder Mum zustimmt, haben sich im Haus Hixton alle gegen mich verschworen.

Ich fühle mich verraten und einsamer als je zuvor. Ich beschliesse, mit Ausnahme von Anna, meine Familie nicht mehr in mein Leben miteinzubeziehen. Wie traurig ist das bitte? Aber hab ich eine Wahl? Ich hab keinen Bock mehr und Matts verhalten enttäuscht mich richtig. Er kennt mich nur durch Geschichten, die er von Mum und meinen Brüdern erzählt bekommt und hat nicht die Eier sich selbst ein Bild zu machen? Ich dachte er wäre ehrlich, stattdessen lässt er sich von Mum beauftragen, mir New York schlecht zu reden, ohne es zu hinterfragen.

Meine Hände zittern ein wenig, während ich Anna schreibe, ob ich die nächsten Tage bei ihr übernachten kann. Nicht mehr lange Lucy, rede ich mir selbst gut zu. Wenn es sein muss ziehe ich bis zu meinem Flug bei Anna ein. 3 Tage verbringe ich bei Anna, dann gehen mir die Klamotten aus und ich fühle mich wieder bereit nach Hause zu gehen und alle zu ignorieren.

Überraschenderweise verlaufen die nächsten Wochen ziemlich ruhig. Mum tut so, als wäre nichts. Matt lässt sich kaum mehr bei uns blicken, oder ist erfolgreicher als ich, mir nicht über den Weg zu laufen. Ich verbringe viel Zeit am See und warte schon fast darauf gestört, oder blöd angemacht zu werden, aber nichts. Meine Brüder sehe ich auch nur, wenn sie das Haus verlassen. Ja ich weiss, ich sollte froh darüber sein. Ich traue dem Ganzen nur nicht.

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