Die gerade 20 gewordene Lucy Hixton lebt mit ihren Eltern und ihren nervtötenden Zwillingsbrüdern im wunderschönen Island. Doch das soll sich bald ändern, ihr größter Traum: nach New York auswandern, Fotografie studieren und ihre Social-Media- Karriere dort vorantreiben. Ihre Familie hält das natürlich für eine Schnapsidee. Und seit die neuen Nachbarn eingezogen sind, scheint plötzlich JEDER etwas gegen New York zu haben. 😮💨 Begleite Lucy auf eine spannende, knisternde und dramatische Reise in eine andere Welt. ✨
„Lucy, komm bitte runter, deine Stadtführerkenntnisse sind gefragt!“ Ich schrecke hoch. Mum erwischt wirklich immer den perfekten Zeitpunkt. Während ich noch aus meinem Zimmer aufs Meer schaue, das heute endlich in der Sonne glitzert, lautet meine Antwort durch die geschlossene Tür: „Ich kann jetzt nicht, ich hab doch gesagt ich will zum Strand.“ Leicht genervt packe ich mein pinkes Handtuch in meine Badetasche und stecke mein Handy ein. Natürlich erst nachdem ich ein weiteres atemberaubendes Bild auf Pinterest hochgeladen habe.
Ich muss zugeben, Island kann richtig gut aussehen, wenn 1x im Jahr für einen Tag die Sonne scheint. Und genau an diesem Tag soll ich Stadtführer spielen? No way. Mum kümmert das natürlich nicht, Island ist der sicherste Ort der Welt, sagt sie und alles andere, wie die Tatsache, dass ich 364 Tage im Jahr friere und in Winterklamotten rumlaufen muss, blendet sie aus.
“Lucy wo bleibst du denn? Matt wartet“ Es macht mich rasend, wenn sie so tut als hätte sie meine Antwort nicht gehört und wer zur Hölle ist überhaupt Matt? Das letzte Mal als ich nichtsahnend zusagte, musste ich eine Gruppe Schulkinder aus dem Nachbarsort rumführen, die absolut keinen Bock darauf hatten, der reinste Horror. Diesmal spiel ich da nicht mit. „Frag doch die Zwillinge“ rufe ich lauter und packe meine Tasche fertig. Meine Brüder gammeln vermutlich e wieder nur in ihrem verdreckten Zimmer und zocken. Sollen die das übernehmen.
Ich poltere die Treppe runter. Jetzt muss es schnell gehen, damit sie mich gar nicht erst mit ihren Todesblick aufhalten kann. Perfekt, sie redet gerade wieder mit diesem Matt und sieht mich nicht. Ich schlüpfe an ihr vorbei, drehe mich dabei zu ihr um, damit ich nicht völlig unhöflich wirke und ramme ihrem Gesprächspartner meine vollgepackte Badetasche in den Bauch. Ein kurzes Stöhnen lässt mich innehalten. Vor mir steht definitiv kein Schulkind. „Ach du ka…äh scheiße, äh ich meine sorry, äh und tschüss“ stammle ich, während ich in die kristallklarsten blauen Augen starre, die ich je gesehen habe. Verdammt. Kann es noch unangenehmer werden?
Während Mum versucht mich umzustimmen, wandert mein Blick noch kurz zu einem leicht grinsenden Mund, bevor ich mich dann endgültig losreisse. Ich beisse mir leicht auf die Unterlippe, um nicht noch etwas Dämlicheres von mir zu geben und gehe so unbeeindruckt wie möglich ohne ein weiteres Wort die Auffahrt runter. Mum ignoriere ich dabei völlig, was sie natürlich nicht auf sich sitzen lassen kann. „Darüber reden wir noch, junge Dame“ ruft sie mir hinterher. Der Typ muss denken ich bin 12.
Immer weitergehen Lucy, du schaffst das, nicht stehenbleiben. Mein Herz pocht so laut, dass ich Angst habe die zwei könnten es hören. Gott, war das peinlich, hoffentlich sehe ich diesen Typen nie wieder. Alles in mir will sich nochmal umdrehen, aber ich kann es nicht riskieren. Sind sie noch da? Sehen sie mir hinterher? Egal, jetzt bloß kein Augenkontakt mit Mum.
Plötzlich höre ich ihr typisch übertriebenes lautes Seufzen, dass sie seit Jahren perfektioniert, wenn ihr etwas nicht passt und die Haustür fällt ins Schloß. Jetzt muss ich doch einen kurzen Blick wagen. Sie sind weg. Mum hat ihn reingebeten und wird ihm jetzt vermutlich erzählen, er wäre bei meinen Brüdern besser aufgehoben. Könnte nicht besser laufen bei mir.